Trickfilm: #4genderstudies

#4genderstudies

„Alle hassen Gender Studies! Warum eigentlich?“ – dieser Frage bin ich in einem kleinen Trickfilm nachgegangen. Anlass war der Aktionstag #4genderstudies am 18. Dezember.

Viel Kritik an den Gender Studies geht an der Sache vorbei. Die Gender Studies sind zwar im Zuge der feministischen Bewegung entstanden, Politik machen sie aber nicht. Sie sind auch keine einheitliche wissenschaftliche Disziplin, sondern bloß ein offenes Forschungsfeld, dass von der Medizin, Soziologie, Linguistik, etc. bearbeitet wird. Insofern lassen sie sich pauschal gar nicht beurteilen, sondern nur anhand einzelner Studien.

Diese sind natürlich kritikwürdig. Die breite emotionale Schelte an den Gender Studies hat aber viel mehr politische Hintergründe. Der Aufstieg des Rechtspopulismus ist auch ein Angriff auf die Wissenschaften, sofern sie nicht in’s Programm passen. Diese werden polemisch attackiert, mit Halbwahrheiten und Verdrehungen verunglimpft. Wir brauchen Gender Studies allerdings und werden ihre Erkenntnisse offen diskutieren müssen, wenn wir in einer offenen Gesellschaft leben wollen.

 

Auf purpurr befindet sich dazu ein Artikel in Langfassung

Einladung zum Porn Film Festival Wien

Porn Film Festival Wien, Vienna

Nächstes Jahr wird es erstmals ein Porno Film Festival in Wien geben. Wir warten schon seit Jahren ungeduldig darauf. Diese Stadt kann so etwas dringend brauchen und ich glaube auch, dass der Bedarf mehr als gegeben ist!

Wir wurden eingeladen, uns am Porn Film Festival Wien zu beteiligen. Arthouse Vienna wird ein Kurzfilmprogramm mit eigenen Werken von Adrineh Simonian und mir, aber auch unseres neuen Talents Alice Moe zur Verfügung stellen. Außerdem werden wir Workshops anbieten.

Stay tuned!

 

Zur Website des Pornfilmfestival Wien

B3 Biennale des bewegten Bildes (abgesagt!)

B3 biennale Frankfurt, Pornographie, Ästhetik, Sexualität

Wir sind bei der B3 Biennale des bewegten Bildes in Frankfurt eingeladen. Geplant war eine Masterclass über die Arbeit von Arthouse Vienna mit Adrineh Simonian. Im Anschluss sollte ich noch ein Panel mit Maya Magnat und Ann Oren über Ästhetisierung von Sexualität und Pornographie zwischen neuer und alter Technologien moderieren.

Leider laboriere ich seit einem Monat an einer Bronchitis und bin nicht reisefähig. Ich hätte mich nicht nur sehr gefreut, die B3 zu besuchen, sondern auch als Speaker geladen zu sein. Es tut mir auch sehr leid für die Veranstalter, so kurzfristig absagen zu müssen.

Einen ironischen Kommentar auf meine lange Erkrankung habe ich noch: 

Männliche Stimme zu #metoo

Mit „Du bist der Mann in der dunklen Gasse (#metoo)“ habe ich in der #metoo Debatte eine männliche Perspektive hinzugefügt. 

Ich versuche mich dabei ehrlich und selbstkritisch meiner eigenen Teilhabe – oder unser aller Teilhabe – an den Strukturen zu stellen, die dazu Beitragen, dass sexuelle Grenzüberschreitungen zum Alltag vieler Frauen gehören.

Hier geht es zum Artikel

#metoo aus männlicher Sicht, männliche Perspektive, Männlichkeit, Patrick Catuz

Porno im Theater

Porno im Theater? Auch das noch! Nachdem wir Porno in’s Museum gebracht haben und damit Rekorde gebrochen wurden, bringen wir Porno jetzt in’s Theater. Und zwar in das Ateliertheater in Wien.

Am Samstag den 25.02. fand dort die Veranstaltung „Dirty Silence“ statt. Die Reihe stellt ein Forum zum Thema „Erotik in der Kunst“ dar, die unterscheidliche Aspekte der Pornographie beleuchtet, vorstellt und zur Diskussion stellt. Gezeigt wurden mehrere Kurzfilme von Arthouse Vienna. Allerdings anders, als im Netporn-Zeitalter üblich, sieht man die Pornoclips nicht von der Mattscheibe des eigenen Laptops auf dem Sofa oder im eigenen Schlafzimmer, sondern ganz in der Manier einer klassischen Vorführung im Stummfilmzeitalter mit live Performances zum Screening.  Das Ateliertheater Kammerensemble spielte live die eigens komponierte Musik von Mike Wagner. Anschließend stellen sich Adrineh Simonian und Patrick Catuz den Fragen des Publikums.

Bei den gezeigten Videos handelte es sich um Werke aus der Reihe Blackbox. Es sind ästhetisch und rhythmisch geschnittene Clips, welche die Grenzen zwischen Kunst und Pornographie verwischen lässt. Es geht nicht um maximale Sichtbarkeit von Körperfunktionen oder Authentizitätsmythen, sondern um die künstlerische Vermittlung eines sexuellen Selbstausdruckes der Menschen.

Wir freuen uns auf diese Anerkennung, über diesen wichtigen Schritt in der Aufwertung der Pornographie in Popkultur und Kunst und natürlich auch auf Sex und Porno im Theater.

Hier ein Videobeitrag zur Veranstaltung mit Porno im Theater:

I am a Man. I am a Feminist. I do Porn.

„Hi, I am Patrick, and I am a Feminist!“

Das Wort „Feminismus“ scheint immer noch als Schimpfwort verstanden zu werden. Das merkt man in feminist Hipstertown vielleicht nicht immer, aber wenn man aus seiner feministischen Blase einmal einen Moment rausschaut, wird man feststellen, dass man durchaus in Erklärungsnot gerät. Während es bei Frauen noch eher verstanden wird (wenn auch deshalb nicht zwangsläufig wohlwollender aufgenommen), so ist man als Mann schon ein exotisches Tierchen, wenn man sich Feminist nennt. Man muss da schon von vorne anfangen. Von ganz vorne.

Dabei könnte man die ganze Sache auch anders angehen. Umgekehrt gefragt: Warum fühlen sich so wenig Männer dafür zuständig? Sind wir etwa nicht in der Pflicht? Warum glauben alle, Männer würden damit an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen? Welche Positionen werden dem Feminismus attribuiert? Und wie spannend ist das Projekt eigentlich, wenn es mittlerweile nicht nur ganz selbstverständlich männliche Feministen, sondern auch feministische PornographInnen gibt?

Ich wurde zu einem TEDx Event in Klagenfurt eingeladen um darüber zu sprechen. Hier das Video:

TEDx Talk: „I am a Man. I am a Feminist. I do Porn.“

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Patrick Catuz, Autor, Feministische PornographiePatrick Catuz ist Autor, Filmemacher und Kulturarbeiter und lebt in Wien. Er ist Doktorand an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Er ist Autor des Buches „Feminismus fickt!“, das sich mit den Perspektiven feministischer Pornographie beschäftigt und produziert gegenwärtig bei Arthouse Vienna feministische, queere und künstlerische Pornographie.

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Feminismus fickt! (Buchveröffentlichung)

„Feministische Pornographie ist ein junges Phänomen und doch nur der konsequente nächste Schritt. Denn Porno ist nichts ontologisch Männliches, Frauen wurden bloß seit jeher ausgeschlossen.“

Feminismus fickt!
Die Pornoindustrie wird von Frauen aufgemischt

Die Pornoindustrie wurde lange genug von Männern dominiert. Es hat sich eine Reihe an Pornographinnen dazu aufgemacht, die männlich dominierte Industrie herauszufordern. Und das mit Erfolg. Erika Lust, Petra Joy, Tristan Taormino, in Österreich Adrineh Simonian mit ihrer Firma Arthouse Vienna – sie alle erreichen eine immer größere Öffentlichkeit. Es ist nicht nur ein symbolischer Kampf. Dabei handelt es sich um Pornofilme, die nicht nur von Frauen und (auch) für Frauen gemacht werden. Es sind Produktionen, die sich von den Gepflogenheiten der herkömmlichen Pornoindustrie deutlich unterscheiden. Dabei ändern sie die Art und Weise, wie mit Körpern und Sexualität Geschäft gemacht wird.

Dieses Phänomen unterliegt einer geschichtlichen Entwicklung. Im Early Cinema waren Frauen sogar vom Konsum von Pornos ausgeschlossen. Der fand größtenteils auf Herrenparties und in Bordellen statt. Es sollte dazu angeregt werden, dass Männer die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen.
Der Porno brauchte länger um sich zu elaborierten Spielfilmen zu entwickeln. In den 70ern schließlich begann das Golden Age und Pornographie erreichte mit Massenerfolgen wie „Deep Throat“ eine breite Öffentlichkeit. Auch viele Frauen liefen in die Kinos, Darstellerinnen wurden zu Ikonen des modernen Pornokinos. Von Männern gemacht und zu deren Profit. Denn Frauen waren von den Hebeln der Macht immer noch ausgeschlossen. Entsprechend bedienen sich diese Filme kruder männlicher Phantasien über weibliche Körper und Sexualität. Wofür besagter „Deep Throat“ das beste Beispiel ist, verlagerten sie doch die Klitoris in den Rachen der Frau, um sie mit gleichnamiger Praktik zum Orgasmus bringen zu müssen. Im Film wird bezeichnenderweise ihr Orgasmus dann mit seiner Ejakulation dargestellt.

Die problematische Darstellung der Frau und die fragwürdigen Verhältnisse in der Industrie riefen bald auch die feministische Pornokritik auf den Plan. Am bekanntesten wurde die Anti-Porno-Bewegung. Vertreterinnen wie Dworkin und McKinnon oder im deutschsprachigen Raum Alice Schwarzer forderten ein Verbot der Pornographie. Sie waren jedoch nie die einzige feministische Position zu Pornographie. Auch damals nicht. Nur jene, die am meisten Aufmerksamkeit erhielt. Ein paar Jahrzehnte später – die Pornoindustrie um keinen Deut besser, durch Amateur und Gonzo eher grobschlächtiger geworden – kommt es zum pornographic turn in der feministischen Bewegung: Vom Kampf gegen Pornographie, wenn nötig auch vor Gericht, hin zu feministischen Pornographinnen, welche die Industrie von innen aufmischen.

„Unser Mittel ist die Kritik, unsere Absicht, etwas Neues zu schaffen. Dabei dürfen wir keine Angst haben, uns die Hände schmutzig zu machen.

Neue Pornokritik in der Theorie. Feministischer Porno in der Praxis.“

Feministische Pornographie

Der feministische Porno hat seine ersten Schritte schon in den 90er Jahren mit Candida Royalle getan. So richtig etablieren konnte er sich in den letzten zehn Jahren. Er ist aber immer noch eine Nische. Bildsprachlich und ökonomisch bewegt sich jede neue Intervention wieder ein Stückchen weiter weg vom Mainstream. Und doch beugt sich jedes etablierte Haus mit der Zeit auch ein Stück weit der kommerziellen Marktlogik und letztlich auch pornographischen Standards. Man gewinnt etwas, man verliert etwas. Letztlich ist eine kritische Haltung  – in meinem Fall eine selbstkritische – immer notwendig. Um offen zu sein für Konjunkturen und Revisionen. Wir werden nichts verändern, wenn wir es nicht wagen, tief hineinzugehen. Letztendlich hängt Erfolg oder Scheitern ohnehin nicht von den einzelnen Regisseurinnen, Titeln oder Firmen ab. Wie narzisstisch wäre das. Es wird an den Räumen beurteilt werden können, die es uns gelingt mit unserer Arbeit zu öffnen. Dafür, welche Pornographie möglich ist.

„Was feministischer Porno ist, kann und will ich nicht definieren. Die falsche Antwort, die folgen würde, wäre schon darin begründet, die falsche Frage zu stellen. Die Frage muss sich danach richten, was feministische Pornographie sein könnte.“

Zitate aus:

Patrick Catuz: Feminismus fickt!
Lit-Verlang. Wien/Münster, 2013.

Das Buch „Feminismus fickt!“ führt über eine Einführung zur Kulturgeschichte des pornographischen Blicks und des Sexes, erzählt die Geschichte des Pornokinos und führt über die alte feministische Pornodebatte zu Beispielen feministischer Produktion. Angereichert mit Erfahrungen aus der Praxis.

Das Buch erschien 2013 im LIT Verlag, Wien.

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Patrick Catuz, Autor, Feministische PornographiePatrick Catuz ist Autor, Filmemacher und Kulturarbeiter und lebt in Wien. Er hat in Klagenfurt (AUT) und Breslau (PL) Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Angewandte Kulturwissenschaften studiert.

Er arbeitete bei Erika Lust und LUST FILMS in Barcelona, ehe er nach Wien zurückkehrte, um sich an der Universität für angewandte Kunst Wien seiner Doktorarbeit zu widmen. Er führt mit Adrineh Simonian die Firma Arthouse Vienna, die sich auf Queer, Feminist und Arthouse Porno spezialisiert.

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