Drehstart zu ARS EROTICA

Die Dreharbeiten zu „ARS EROTICA“ führten das Team an einige der eindrucksvollsten Orte Wiens und darüber hinaus.

In der altehrwürdigen Bibliothek des Billrothhauses, einem 1893 eröffneten Zentrum wissenschaftlicher Debatten, sprach Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken, während Altphilologe Cornelius Hartz im rekonstruierten Römerdorf Carnuntum die überraschende Vielfalt antiker Körperbilder erläuterte. Im kreativen Ambiente des BRICK5 zeigte die Wiener Künstlerin Julia Bugram, wie sie traditionelle Darstellungen aus einer weiblichen Perspektive neu interpretiert, und im lichtdurchfluteten Leopold Museum sowie der Kunsthalle Wien führte Kunsthistorikerin Nadeije Laneyrie‑Dagen durch Jahrhunderte künstlerischer Bildstrategien. Eine weitere Station war das historische Metro Kino, das seit 1951 einer der charakteristischsten Kinostandorte Wiens ist, wo Adrineh Simonian, einst Mezzosopranistin an der Volksoper, heute neue visuelle Ausdrucksformen erforscht. In den Hofstallungen des MuseumsQuartiers schließlich – einem der größten Kulturareale Europas – reflektierte Autorin und Journalistin Camille Emmanuelle gesellschaftliche Entwicklungen rund um Körper, Identität und Gleichstellung. Zusammen ergeben diese Orte und Persönlichkeiten ein lebendiges Mosaik, das die Produktion zu einer ebenso intensiven wie tiefgründigen filmischen Expedition machte.

Gleichzeitig arbeitet ein Team aus Animationskünstlerinnen, bestehend aus Sarah Braid, Verena Schrattenecker und Kristina Haidinger an Animationssequenzen, die das kunstgeschichtlich dominierte Thema unterhaltsam aufbereiten und nahtlos von gefilmter zu animierter Szene übergehen sollen und wieder zurück.

Hinter den Kulissen von „Ars – Die Kunst der Enthüllung“

 

Barbara Vinken – Literaturwissenschaft in historischer Atmosphäre

Gedreht wurde mit Barbara Vinken in der eindrucksvollen alten Bibliothek des Billrothhauses, einem Gebäude aus dem Jahr 1893, das seit jeher ein Zentrum wissenschaftlicher Debatten in Wien ist und bis heute als Ort geistiger Vielfalt und historischer Tiefe gilt.

Barbara Vinken (*1960), renommierte Literaturwissenschaftlerin und Professorin in München, hat sich intensiv mit europäischen Kultur- und Literaturtraditionen beschäftigt. In ihrem Beitrag spricht sie über historische Kampagnen, die zur Beschädigung des Rufes von Königin Marie Antoinette eingesetzt wurden, und spannt den Bogen zu zeitgenössischen literarischen Auseinandersetzungen, etwa dem Roman „Wachs“ von Christine Wunnicke.

Cornelius Hartz im Römerdorf Carnuntum, ORF Dokumentation ARS EROTICA von Patrick Catuz

Cornelius Hartz – Klassische Antike im Römerdorf Carnuntum

Der Altphilologe und Autor Cornelius Hartz wurde im rekonstruierten Römerdorf Carnuntum bei Wien begleitet, einem Ort, der römische Alltagskultur auf einzigartige Weise lebendig macht. Carnuntum gehört zu den bedeutendsten archäologischen Erlebnisstätten Europas und lässt Besucher:innen durch nachgebaute Wohnhäuser, Thermen und Werkstätten in die Vergangenheit eintauchen.

Hartz (*1973), promovierter Philologe, Übersetzer und Sachbuchautor, erläutert dort, wie viel freier und vielfältiger der Umgang mit Körperdarstellungen in der Antike tatsächlich war – und wie sehr unser heutiges Bild vom „weißen Marmor“ romantisiert ist. Seine Arbeiten zeigen regelmäßig, wie lebendig, drastisch und überraschend modern antike Texte sein können.

Julia Bugram im Atelier im BRICK5 Wien, ORF Dokumentation ARS EROTICA von Patrick Catuz

Julia Bugram – Ein weiblicher Blick im BRICK5

In einem der ehemaligen Ateliers im Wiener BRICK5, einem historischen Backsteingebäude im 15. Bezirk, das heute Künstler:innen und Kreativen Raum bietet, zeigt Julia Bugram, wie sie Körperdarstellung aus weiblicher Perspektive neu interpretiert.

Bugram (*1988) ist eine interdisziplinäre Künstlerin, die sich an der Schnittstelle von Kunst und gesellschaftspolitischem Diskurs bewegt und sich besonders mit Sichtbarkeit, Rollenbildern und kollektiver Erinnerung auseinandersetzt. In ihrem Werk hinterfragt sie jahrhundertealte Darstellungs- und Machttraditionen und entwickelt alternative, selbstbestimmte künstlerische Zugänge.

Nadeije Laneyrie-Dagen Museumsquartier Schiele Leopold Museum Wien, ORF Dokumentation ARS EROTICA von Patrick Catuz

Nadeije Laneyrie-Dagen – Kunstgeschichte im MuseumsQuartier

Für ihre Szenen führt die französische Kunsthistorikerin Nadeije Laneyrie-Dagen durch das Leopold Museum und die Kunsthalle Wien, zwei der prägendsten Institutionen im Wiener MuseumsQuartier. Das Leopold Museum, ein heller Kubus aus weißem Donaumuschelkalk, beherbergt die weltweit größte Egon-Schiele-Sammlung und ist ein architektonisches wie kunsthistorisches Highlight Wiens.

Laneyrie-Dagen (*1957), Professorin an der École Normale Supérieure, ist spezialisiert auf die Malerei vom Mittelalter bis zur Renaissance und forscht zu Bildtheorie, Anatomie und Körperdarstellung in der Kunst. Sie zeigt, dass bereits klassische Malerei mit Verwandlungs- und Überblendungstechniken arbeitete – frühe Formen dessen, was wir heute als digitale Manipulation kennen.

Adrineh Simonian Opernsängerin Volksoper Wien im Metro Kino Wien, ORF Dokumentation ARS EROTICA von Patrick Catuz

Adrineh Simonian – Die Oper als Bühne der Grenzüberschreitung

Im traditionsreichen Metro Kino Wien, das seit 1951 existiert und eines der atmosphärischsten historischen Kinos der Stadt ist, präsentiert Adrineh Simonian ihre heutige künstlerische Arbeit. Das Metro war einst Theater, später ein elegantes Premierenkino und ist heute Sitz des Filmarchivs Austria – ein Ort, der wie kaum ein anderer für Wandel und Transformation steht.

Simonian (*1973 in Teheran) ist eine ausgebildete Mezzosopranistin, die viele Jahre an der Volksoper Wien sang, bevor sie sich der künstlerischen Inszenierung neuer Formen visuellen Ausdrucks widmete. Ihre Arbeit erforscht emotionale Intensität, Selbstbestimmung, Körperlichkeit und ästhetische Grenzbereiche aus einer experimentellen, künstlerischen Perspektive.

Camille Emmanuelle Aufkärung Autorin, ORF Dokumentation ARS EROTICA von Patrick Catuz

Camille Emmanuelle – Gesellschaftlicher Wandel in den Hofstallungen des MQ

Die französische Journalistin und Autorin Camille Emmanuelle wurde in den historischen Hofstallungen des MuseumsQuartiers, einem Ort, der früher der k.u.k. Pferdehaltung diente und heute eines der größten Kulturareale Europas bildet, interviewt.

Emmanuelle ist Autorin, Journalistin und Szenaristin, spezialisiert auf Fragen zu Körper, Selbstbestimmung, Gender und gesellschaftlichem Wandel. Sie hat sich zudem zur Sextherapeutin ausbilden lassen und verbindet in ihrer Arbeit politische Analyse mit persönlicher und gesellschaftlicher Reflexion. In der Dokumentation spricht sie über die gesellschaftlichen Umbrüche seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und darüber, wie lange diese Entwicklungen vor allem Männern zugutekamen, bevor Frauen ähnliche Freiheiten einforderten.

Warum man diesen Film unbedingt sehen sollte

„ARS EROTICA“ ist weit mehr als ein kunsthistorischer Überblick. Er ist ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, ein kritischer Blick auf Macht, Moral und Wandel – und eine Einladung, unseren Umgang mit Körperbildern, Identität und Freiheit neu zu reflektieren.

Der Regisseur Dr. Patrick Catuz ist ein österreichischer Kultur- und Filmwissenschaftler sowie Regisseur aus Wien, der unter anderem an der Universität lehrte und sich in seiner Arbeit intensiv mit Gender, Medien und gesellschaftlichen Machtstrukturen beschäftigt. Für ARS EROTICA nähert er sich der Kulturgeschichte des „Obszönen“ analytisch, kritisch und zugleich erzählerisch, indem er historische und moderne Bildpraktiken miteinander verknüpft und Fragen nach Moral, Wahrnehmung und kulturellen Blickregimen ins Zentrum stellt.

Wer verstehen möchte, wie tief verankert diese Themen in unserer Kultur sind – und wie sehr sie unser Denken bis heute prägen – sollte diesen Film keinesfalls verpassen.

Unbedingt ansehen – es lohnt sich.

JETZT STREAMEN!

 

Credits: 

Director & Script: Patrick Catuz

Photography: Sebastian Arlamovsky

Editing:  Robert Zapletal

Sound Recording: Sophia Laggner, Eva Hausberger

Animations: Sarah Braid, Kristina Haidinger, Verena Schrattenecker

Design and visual effects: Lily Ammann

Sound Design: Christofer Frank, Katharina Pichler

Grading: Lukas Lerperger

Archive Material: Felix Holzeis

Production Managers: Selina Nenning, Julie Stempelova

Executive Producer: Markus Glaser